salatmaier 852, Teil 2 – Corona, eine Zusammenfassung

April 2020. Ostern kommt. Ich feiere heimlich mit meiner Freundin Ostern. Wir singen leise und wenn sie sich den Fenstern nähert, werde ich nervös. Man weiß ja nie, wer einen sieht und einen vielleicht anzeigt. Natürlich wird dieses Ostertreffverbot in einigen Monaten vom Verfassungsgerichtshof gekippt, aber als breite Bevölkerungsmasse habe ich nichts davon, wenn mir der Verfassungsgerichtshof im September mitteilt, dass die Osterverbote letzten April rechtswidrig waren. Da sind die deutschen Nachbarn besser dran. Die können Eilverfassungsanträge stellen und binnen Kurzem wissen, was rechtens ist. Jedenfalls war ich im September froh, dass wir uns im April nicht an die strikten Nicht-Treffregeln gehalten haben.

Damals glaubten noch viele, was in den Zeitungen geschrieben stand, oder der Gesundheitsminister brabbelte. Da waren wir noch immer ziemlich naiv. Na gut; der Gesundheitsminister war mir noch nie sympathisch. Man kannte ihn aus der Provinz, wo er im burn-out endete. Ein Grüner. Also, einer aus der Verbotspartei – muss ich mehr schreiben?

Meinen runden Geburtstag, am 21. April (Königin Elisabeth wird 93, ich trink auch ein Glas auf sie), feiere ich bei Online-Studentenbetreuung, Champagner aus dem Versandhaus und abends kommt wieder meine Freundin als tatsächlicher Besuch in persona. Sie wohnt ja nicht weit weg. Wir sitzen mit Abstand auf der Couch und prosten uns zu. Ich hoffe, im Mai meine große Geburtstagsfeier mit Familie und Freunden feiern zu können und plane vor mich hin.

Da glaubten wir noch, es würde etwas besser. DA waren wir noch ein bisschen naiv. Die können doch nicht ein ganzes Volk über Monate hinweg einsperren, die Wirtschaft ruinieren. DAs wird nicht hinhauen. Die Leute werden sich das nicht gefallen lassen. Ich werde mir das nicht gefallen lassen. Oder so glaubten wir das. Obwohl da oder dort schon geunkt wurde, dass es sich doch nicht so bald in Wohlgefallen auflösen würde. Nun, schau’mer mal.

Mai 2020: Nach home-schooling, home office und distance learning, kommt nun geteilter Unterricht. Aber ich kann wenigstens täglich in die Arbeit gehen. Dort ist zwar alles chaotisch, aber immer noch besser, als zu Hause in einer 60 qm Wohnung ohne Balkon. Am Arbeitplatz ändern sich die Regeln, Verordnungen, Befehle, Angaben, Vorgaben manchmal stündlich. Wir krachen mit hundert Stundenkilometern an die eine Wand, nur um eine 180 Grad Wende zu machen und mit hundert Stundenkilometern gegen die andere Wand zu rasen. Am lustigsten in diesen Monaten sind die vielen Witze und Sarkasmen, die man über Whats App kriegt und die etwas aus der TRistesse reißen. In der alten DDR waren wohl die Witzchen ähnlich. Zum Beispiel unser Jungspundkanzler als alter Mann mit grauen Haaren, wie er ankündigt:“Endlich. Die Pandemie ist vorbei.“

Wir tragen türkise OP-Masken, ob alt, ob jung. Wir hoffen, glauben, denken, meinen, dass diese Pein bald ein Ende haben muss. Nicht immer halten wir die Maskenregeln akribisch ein.  Meine Geburtstagsfeier mit Familie und Freunden fand übrigens nicht statt, weil sich nur zehn Personen oder so eine Zahl treffen durften. Dabei hatte ich alles so nett geplant. Ich verschiebe auf nächstes Jahr 2021 im Sommer. Bis dahin besteht eine gute Chance, dass alles vorüber ist. Oder so ähnlich dachten wir uns das.

Wann immer wir können, ziehen wir die Masken unter die Nase. Vor allem im Freien, wie zum Beispiel am Markt. Man geht auch immer wieder an Leuten vorbei, die man schimpfen hört, wegen der Maskenverordnung oder anderer Coronaverordnungen. Meine Bekannten und ich, wir sind klug und schimpfen leise. Die Marktpolizei kontrolliert. Von unserer Polizei schlechthin, hört man eher unrühmliche Dinge. Sie war noch nie mein Freund, aber in diesen Zeiten ging ich innerlich auf Distanz zu den Ordnungshütern und verstand zum ersten Mal, warum manche Ethnien den Polizisten nix verraten. Lieber beißen sie sich die Zunge ab. Ja, das verstand ich ab da und konnte der Sache einiges abgewinnen. Die Polizei war also der Verlierer in meiner ganz persönlichen Coronakrise. Wer immer noch glaubt, die sind ein Freund und Helfer, der ist etwas naiv oder ein Jünger Coronas samt eingenähtem Glaubensbekenntnis. Übrigens: Ich leugne nicht, dass es das Virus gibt, aber möglicherweise ist die ganze Sache ein kitzekleines Bisserl anders bewerkstelligbar, als unsere Verbotsparteien und unser Kanzler mit dem Hang zum Diktator so meinen und uns weis machen wollen.

Schon da war ich also nicht mehr so naiv, noch zu glauben, zu hoffen, dass alles bald vorüber wär. Aber die Glaubengräben zwischen Maßnahmenkritikern und Maßnahmengläubigen vertieften sich. Zwischen meiner coronagläubigen und coronaängstlichen Schwägerin und mir, war einige Zeit Funkstille, weil wir uns telefonisch so sehr in den Haaren lagen, dass mein armer Bruder es nicht mehr aushielt. Das gab es so noch nie zwischen uns. Und so entwickelte es sich bei vielen. (Fortsetzung folgt)

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