Minidrama, Rückblick auf Corona

Coronakrise zieht Kreise

Ich, als einfacher Bürger, in meiner kleinen Wohnung (und es gibt noch kleinere) im 4. Stock, wohne so vor mich hin, um meine Gesundheit zu schützen. Im Kreislauf des Lebens bleibe ich alleine, weil der Herr Gesundheitsminister für mich wählte, dass ich niemanden treffen darf. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass ich schon wen treffen hätte dürfen, aber der Herr Gesundheit und der Herr Bundes haben mir da etwas vorgelogen, damit ich ganz gesund bleibe und die, die ich treffen täte, auch. Ich leide unter der Einsamkeit jeden Tag. Aber Hauptsache ich bin gesund. Denn wenn ich rausgeh, könnte ich jemanden anstecken und ein Gefährder werden, ein Coronaterrorist, obwohl ich ja drinnen bleibe, damit ich gesund bleibe und mich nicht anstecke. Seit Wochen treibe ich keinen Sport, denn um den öden Häuserblock zu laufen, hat mir schon vor Corona nicht gefallen. Ich sitze in meinen vier Wänden und bleibe alleine gesund. Allerdings nehme ich zu. Nicht, weil ich mehr esse, sondern weil mir die Bewegung des Alltags und mein Fitnessstudio fehlen. Also, bin ich nicht mehr so gesund, da ich zu Hause bleiben muss, um gesund zu bleiben.

Telefon, Computer, Kamera – nix ersetzt den persönlichen Kontakt. Aber ich betreibe das wichtigste überhaupt: ich betreibe Gsundbleibn und spende Leben, weil ich nicht rausgehe und daher niemanden gefährden kann. Ich bin und bleibe im Kreislauf, bleibe ein kreis-laufender Lebensspender, bleibe kreis-gesund (oder war es kerngesund? Ich weiß es nicht mehr, ich treff ja nie wen) und kreise um mich und meinen eckigen Tisch, bis ich in meinem eckigen Bett liege und mir Lichterkreise vor den kreisrunden Augen tanzen. Na, denk ich, wenigstens etwas, das sich bewegt in meinem Lebenskreilauf in meinen vier Wänden. Es ist ja doch was rund, auch wenn es nur die Kreise vor meinen Augen sind. Irgendwie werde ich trotzdem täglich eckiger…

Dies ist ein Nachruf auf eine Zeit, die mir nicht abgeht, wenn sie nie mehr wieder kommt. Ich nehme an, es wird noch ein Nachspiel geben und wir werden noch manches herausfinden über lockdowns und deren Kreisläufe.

 

 

 

1 Antwort auf “Minidrama, Rückblick auf Corona”

  1. Liebe Frau Salatmaier,
    die meiste Zeit meines Lebens habe ich in der ehem. DDR verbracht, selbst in dieser Zeit habe ich immer versucht das zu tun, was ich gern möchte. Wieviel ich dafür verdiene, war mir dabei unwichtig. Das ist halt meine persönliche Definition von Freiheit. Wenn unsere Regierung jetzt vorschreibt, was ich noch darf und was nicht, ist diese Freiheit nicht mehr gegeben und dabei haben wir (noch) nicht einmal den Sozialismus. Dabei treffen mich die Einschränkungen nicht einmal so hart wie andere; ich lebe ohnehin allein und arbeite immer im Home-Office (ich programmiere Software für ein Unternehmen). Es sind auch nur noch Wenige, die ich besuchen würde. Aber bereits der Zustand, dass ich überlegen muss, ob ein Geschäft offen ist oder nicht und das ich mir die Haare selbst schneiden muss, weil kein Friseur mehr offen ist, lässt mich unsere Regierenden noch mehr verachten als ohnehin schon. Ich weiß nicht, wie es in Österreich aussieht, aber hier in Deutschland versucht man offensichtlich, grundgesetzlich garantierte Freiheiten auf Dauer einzuschränken. Ich denke, dass Corona dazu als Vorwand dient, denn zu Beginn der Verordnungen war der Höhepunkt bereits überschritten. Wenn Sie nach Deutschland schauen; linke Demos (wenn man das überhaupt so bezeichnen kann) erfahren keine Einschränkungen, Demos gegen die Corona-Maßnahmen werden scharf reglementiert. Und die Masse der Deutschen ist damit scheinbar auch noch zufrieden.
    Aber was soll’s, Kopf hoch. Wir schaffen auch das. So, jetzt versuche ich’s mal mit Arbeit.
    Liebe Grüße
    Rainer Berg

    PS: Wen Sie möchten, lassen Sie ruhig den Nachnamen bei der Anrede weg; bei Menschen, die ich schätze, lege ich keinen Wert auf das ‚Sie‘.

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